Olympus FE250 ermogelt sich 10.000 ISO
abgelegt im Archiv Technik am 01.02.07
In einer aktuellen Pressemitteilung kündigt Olympus die neue Kompakt-Digitalkamera FE250 mit einem 8 Megapixel-Chip an. Basiswerte wie die für die Einsteigerklasse hohe Auflösung und das auf den ersten Blick mit einem Blendenwert von 2,8 bis 4,7 lichtstarke Objektiv lassen die Kamera durchaus attraktiv erscheinen. Auch die Antishake-Funktion gegen verwackelte Bilder und das 2,5 Zoll Display mit 230.000 Pixeln sind einer Kamera, die, laut Golem.de 299 Euro kosten soll, würdig. Das als Killerfeature angekündigte "Bright Capture" hingegen ist eine fragliche Beschneidung der Kameraauflösung zur Ermogelung einer höheren Lichtempfindlichkeit.
Taucht man tiefer in die Technik von Digitalkameras ein, werden die Gründe für meine Bedenken gegenüber dieser Funktion verständlicher. Eine Kompaktkamera verfügt per se über einen sehr kleinen Chip im Vergleich zu digitalen Spiegelreflex oder gar Vollbild-Kameras. Letztere haben einen Chip in der Größe des analogen Kleinbildfilms. Nur so können zum Beispiel die kleine Bauweise (kleinere Projektionsfläche durch geringeren Abstand vom Objektiv zum Chip) und der starke Zoom erreicht werden. Brennweiten von 10 mm und weniger im Weitwinkelbereich sind ebenfalls keine Seltenheit, sind aber im Vergleich zum Kleinbildfilm oder zur Vollformat-Spiegelreflex auch nur noch 24 mm oder sogar mehr. Ebenso verhält es sich mit der Lichtstärke. Ein Objektiv mit dem Blendenwert 2,8 ist Standard. Kleinere Blendenwerte, sprich größere Blendenöffnungen keine Seltenheit. Ein kleiner Chip braucht eben viel Licht, um ähnlich gute Bilder wie ein großer zu liefern. Die Verteilung von 8 Millionen Pixeln auf einem kleinere Chip benötigt zudem kleinere Pixel und erzeugt ein stärkeres Rauschen.
Einer Kamera mit diesen Voraussetzungen verpasst Olympus nun die Möglichkeit, durch die Zusammenfassung von Pixeln und die damit verbundene Reduktion der Auflösung eine Lichtempfindlichkeit von bis zu 10.000 ISO/ASA zu erreichen. Die "Bright Capture" genannte Funktion sorgt erst einmal für Staunen, weiß man doch, dass die besseren digitalen Spiegelreflexkameras bei 3.200 ISO/ASA aufhören. Genau nach diesem Schwellenwert reduziert die Olympus FE250 ihre Auflösung auf 3 Megapixel, um dem oben beschriebenen Problem des steigenden Rauschens bei zu nahe beieinander liegenden Pixeln zu begegnen. Erstmal eine clevere Idee, will man meinen. Jedoch geht diese Zusammenlegung von jeweils drei nebeneinander liegenden Pixeln nicht nur auf Kosten der Auflösung, sondern auch auf Kosten der Schärfe, die durch die so genannte Bayer-Matrix der CMOS-Chips sowieso schon leidet. Das Nachschärfen einer solchen Aufnahme (über Software oder direkt in der Kamera führt aber zu einer Verstärkung des Rauscheffektes.
Mein Fazit: Bei der Funktion "Bright Capture" der Olympus FE250 handelt es sich einmal mehr um den Versuch, mit einer Software-Lösung die physikalischen Grenzen neu auszuloten. Das hat schon bei den digitalen Zooms der Einsteiger-Digitalkameras nicht funktioniert und wird auch hier nicht funktionieren. Der Kamera ein lichtstärkeres Objektiv zu gönnen und bei allerhöchstens 3200 ISO/ASA "den Hahn zu zu machen" wäre auch hier wieder die bessere Lösung gewesen. arbeitsspeicher und lichtstarke Objektive haben eines gemeinsam: Besser als Lichtstärke ist nur eines: Noch mehr Lichtstärke.
[at Olympus.de] [via Golem.de]
Tags: Olympus FE250 FE 250 Kompaktdigitalkamera Kompakt Digitalkamera KompaktDigitalkamera 10.000 ISO ASA
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